
37, 38, 39, 40 Grad: Was die aktuelle Hitzewelle im Körper von Beschäftigten auslöst
Deutschland steht vor den bislang heißesten Tagen des Jahres. Der Deutsche Wetterdienst warnt vielerorts vor Temperaturen deutlich über 30 Grad, regional werden bis zu 40 Grad erwartet. Für Beschäftigte, die im Freien oder in nicht klimatisierten Arbeitsbereichen arbeiten, bedeutet das eine enorme Belastung. Denn während die Außentemperatur steigt, muss der Körper immer mehr Energie aufwenden, um seine Körperkerntemperatur möglichst konstant bei rund 37 Grad Celsius zu halten.
Das gelingt erstaunlich lange – aber nicht unbegrenzt. Irgendwann stößt die körpereigene Kühlung an ihre Grenzen. Dann sinken zunächst Konzentration und Leistungsfähigkeit. Im schlimmsten Fall droht ein Hitzschlag, der lebensgefährlich werden kann.
Wie der Körper sich gegen Hitze schützt
Die Körperkerntemperatur eines gesunden Erwachsenen liegt normalerweise zwischen etwa 36,5 und 37,5 Grad Celsius. Damit sie in diesem Bereich bleibt, überwacht der Körper seine Temperatur rund um die Uhr. Thermorezeptoren in Haut und Organen melden kleinste Veränderungen an den Hypothalamus im Gehirn – das Steuerzentrum der Temperaturregulation.
Steigt die Körpertemperatur, setzt der Organismus mehrere Schutzmechanismen gleichzeitig in Gang. Die Blutgefäße der Haut erweitern sich, sodass mehr Wärme über die Körperoberfläche abgegeben werden kann. Gleichzeitig produzieren die Schweißdrüsen Schweiß. Verdunstet dieser auf der Haut, entsteht Verdunstungskälte – der wichtigste Kühlmechanismus des Menschen.
Diese Regulation belastet jedoch den Kreislauf. Durch die stärkere Hautdurchblutung sinkt der Blutdruck, während das Herz schneller und kräftiger pumpen muss, um Gehirn und Organe weiterhin ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Hinzu kommen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste durch das Schwitzen. Werden diese nicht ausgeglichen, gerät die Temperaturregulation zunehmend unter Druck.
Schon bevor der Körper überhitzt, sinkt die Leistungsfähigkeit
Viele verbinden Hitze erst mit Kreislaufproblemen oder einem Hitzschlag. Tatsächlich beeinträchtigt sie die Leistungsfähigkeit schon deutlich früher.
Arbeitsphysiologische Studien zeigen, dass bereits ein leichter Anstieg der Körperkerntemperatur Aufmerksamkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Konzentration verschlechtern kann. Warnsignale werden später wahrgenommen, Entscheidungen fallen schwerer und feinmotorische Tätigkeiten gelingen weniger präzise. Für Beschäftigte an Maschinen, auf Baustellen, im Straßenverkehr oder in der Logistik kann das das Unfallrisiko deutlich erhöhen.
Was bei steigender Körperkerntemperatur passiert
Bis etwa 37,5 °C: Der Körper hält das Gleichgewicht
Die Thermoregulation funktioniert. Schweißbildung und Hautdurchblutung reichen aus, um überschüssige Wärme abzugeben.
Ab etwa 38 °C: Der Hitzestress nimmt zu
Der Körper arbeitet nun unter erhöhter Belastung. Herzfrequenz und Schweißproduktion steigen deutlich an. Viele Menschen bemerken Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Kopfschmerzen. Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nehmen ab.
Um 39 °C: Die Belastungsgrenze rückt näher
Die Temperaturregulation läuft auf Hochtouren. Flüssigkeits- und Salzverluste können zu Schwindel, Muskelkrämpfen, Übelkeit und Verwirrtheit führen. Ohne ausreichende Kühlung und Flüssigkeitszufuhr steigt das Risiko für hitzebedingte Erkrankungen deutlich.
Ab etwa 40 °C: Die Situation wird kritisch
Spätestens jetzt kann die Temperaturregulation versagen. Der Körper ist dann nicht mehr in der Lage, ausreichend Wärme abzugeben. Die Körperkerntemperatur steigt weiter an, obwohl der Organismus mit maximaler Leistung dagegen ankämpft. Es drohen neurologische Störungen, Organschäden und Kreislaufversagen.
Ein Hitzschlag ist deshalb nicht einfach das Erreichen einer bestimmten Temperatur, sondern das Versagen der körpereigenen Wärmeregulation mit einer unkontrolliert ansteigenden Körperkerntemperatur. Er ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.
Die wichtigsten Hitzeerkrankungen im Überblick
Sonnenstich: Entsteht durch intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Nackenschmerzen.
Hitzeerschöpfung: Der Körper verliert durch starkes Schwitzen große Mengen Wasser und Elektrolyte. Es kommt zu Erschöpfung, Muskelkrämpfen, Schwindel, Kreislaufproblemen oder im Extremfall zu einem Kollaps.
Hitzekollaps: Durch die starke Erweiterung der Blutgefäße fällt der Blutdruck ab. Das Gehirn wird kurzfristig schlechter durchblutet, was zu einer Ohnmacht führen kann.
Hitzschlag: Die gefährlichste Form der Hitzeerkrankung. Die Wärmeregulation versagt, die Körperkerntemperatur steigt unkontrolliert an. Betroffene zeigen häufig neurologische Auffälligkeiten wie Verwirrtheit, Desorientierung oder Bewusstseinsstörungen. Ohne sofortige medizinische Versorgung besteht Lebensgefahr.
Warum Arbeitsschutz bei Hitze so wichtig ist
Die aktuelle Hitzewelle macht deutlich: Die größte Gefahr beginnt nicht erst beim Hitzschlag. Bereits lange vorher verschlechtern sich Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen und körperliche Belastbarkeit – oft ohne dass Beschäftigte dies unmittelbar bemerken.
Gerade bei körperlicher Arbeit, Tätigkeiten in der Sonne oder in aufgeheizten Hallen sollten Hitzeschutzmaßnahmen deshalb frühzeitig greifen. Ausreichende Trinkmöglichkeiten, zusätzliche Erholungspausen, angepasste Arbeitszeiten und schattige oder gekühlte Aufenthaltsbereiche entlasten den Körper, bevor seine natürliche Temperaturregulation an ihre Grenzen stößt. Weitere Infos liefert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.